NRW, 02.02.2008 10:39 Uhr (sor)
Siegen / Olpe. Die Konjunktur im Bezirk der Industrie- und Handelskammer Siegen (IHK) ist stabil. Neun von zehn befragten Unternehmen stufen ihre Lage als gut oder befriedigend ein. Allerdings erwartet die regionale Wirtschaft angesichts höherer Konjunkturrisiken für 2008 eine ruhigere Gangart, ohne dabei skeptisch zu sein: Wie im August 2007 setzen immer noch 86 Prozent aller Firmen auf einen gleichbleibenden oder sogar besseren Verlauf ihrer Geschäfte.
Auch die Investitionsneigung der Unternehmen bleibt ausgeprägt. Zu diesem Ergebnis kommt die IHK Siegen nach der Auswertung ihrer jüngsten Konjunkturumfrage bei Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe, an der sich 590 Betriebe beteiligten.
„Die Industrie ist die Konjunkturlokomotive der Region“, hob IHK-Hauptgeschäftsführer Franz J. Mockenhaupt hervor. „Ein Großteil der Betriebe meldet mit nur leichten Abstrichen weiterhin hohe Produktionsauslastungen. Oft sind diese durch volle Auftragsbücher auch für die kommenden Monate gesichert.“ Hauptgrund dafür ist der Export. Auf ihn setzt die heimische Industrie auch für die nahe Zukunft, ohne dabei die Unsicherheiten auf den Weltmärkten außer Acht zu lassen. Im Windschatten des Verarbeitenden Gewerbes behaupten sich die regionalen Großhändler und Dienstleister. Die Bauunternehmen melden trotz Wintersaison einen soliden Verlauf. Wieder angespannter ist die Situation im Einzelhandel. Das spät einsetzende Weihnachtsgeschäft konnte die für 2007 insgesamt mäßige Entwicklung nicht mehr herumreißen. Zum Jahresanfang registriert die Branche wieder eine stärkere Kaufzurückhaltung.
Die beständige Konjunkturentwicklung hat positive Auswirkungen auf den regionalen Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote lag Ende 2007 trotz saisonalem Anstieg bei nur 5,5 Prozent. Im IHK-Bezirk sind 12.347 Menschen ohne Beschäftigung, das ist die niedrigste Zahl in einem Dezember seit 1992. Vor allem die regionale Industrie erweist sich als Beschäftigungsmotor. Im vergangenen Jahr wurden hier etwa 3000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Das sind knapp 6 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Kreis Olpe legte die Beschäftigung sogar um 7 Prozent zu. Auch in den nächsten Monaten bleibt der Personalbedarf hoch. In der Umfrage der IHK gaben 27 Prozent der Unternehmen an, dass sie die Zahl der Mitarbeiter weiter aufstocken wollen. Nur 8 Prozent beabsichtigen dagegen, weniger Mitarbeiter in den kommenden Monaten zu beschäftigen. Diese Absicht äußerten vor allem die befragten Einzelhändler.
Die weitere Entwicklung ist jedoch nicht ohne Risiko. Die Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten sind in ihren Auswirkungen auf die Realwirtschaft schwer einschätzbar. Die Aussichten für die US-, aber auch für die Weltkonjunktur sind schlechter geworden. Das Risiko für Exporte in den Dollarraum bleibt wegen des starken Euros hoch. Die Betriebe müssen sich, auch wegen des anhaltend hohen Ölpreises, auf steigende Kosten für Energie und Rohstoffe einstellen. Die angezogenen Verbraucherpreise belasten die Konsumstimmung und durch die hohen Forderungen für die anstehenden Lohnrunden kommt wieder Kostendruck für die Betriebe auf.
Die Auswertung im Detail: Zu Jahresbeginn sehen sich weit über die Hälfte der Industrieunternehmen in einer guten Lage. Nur 7 Prozent sind skeptisch. „Die Auslastung der Produktionskapazität bleibt hoch. Die meisten Betriebe konnten trotz anhaltender Kostenbelastungen ihre Erträge stabilisieren oder sogar steigern“, betonte Mockenhaupt. „Der Gesamtumsatz aller Industrieunternehmen mit 50 und mehr Mitarbeitern stieg bis November 2007 im Vergleich zum Vorjahr um 9 Prozent.“ Besonders der Export trägt mit einem Zuwachs von 12 Prozent dazu bei. Der Inlandsumsatz nahm mit 7 Prozent ebenso deutlich zu. Insgesamt blicken die Industrieunternehmen zuversichtlich nach vorn: Knapp ein Drittel ist optimistisch, nur 13 Prozent sind skeptisch.
Die Bauunternehmen melden angesichts der für sie eher ungünstigen Wintersaison eine sehr stabile Entwicklung: Knapp ein Drittel ist zufrieden, nur 13 Prozent melden eine schlechte Lage. Grund für die positiven Impulse ist der gewerbliche Bau, der den Einbruch auf dem Wohnungsbaumarkt ausgleicht. Angespannter ist die Situation hingegen im regionalen Einzelhandel. Fast jeder dritte Unternehmer schätzt seine Geschäftslage als schlecht ein. Der Aufschwung hat die Branche immer noch nicht erreicht. „Das Weihnachtsgeschäft hat zu spät zugelegt, um die mäßige Entwicklung in 2007 noch wettzumachen“, so der IHK-Hauptgeschäftsführer. „Die Verbraucher halten sich zurück. Die zuletzt deutlich gestiegenen Verbraucherpreise - vor allem im Energie- und Lebensmittelbereich - belasten die Konsumstimmung.“ Nur wenige Einzelhändler setzen angesichts weiter steigender Beschäftigung und voraussichtlicher Kaufkraftzuwächse auf bessere Geschäfte.
Von der guten Industriekonjunktur profitieren die Großhändler und Dienstleister in Siegen-Wittgenstein und Olpe. In beiden Branchen melden 42 Prozent eine gute Geschäftslage. Für die nahe Zukunft ist das Dienstleistungsgewerbe weiterhin zuversichtlich: Knapp ein Drittel der Befragten setzt auf bessere Geschäfte. Die Großhändler sind nicht ganz so optimistisch. Die große Mehrheit erwartet aber eine gleichbleibend gute Entwicklung.
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